KOSA
Kopp Sailer Architekten





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STADTBERGEN
Siedlungentwicklung, Stadtbergen bei Augsburg

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Leitidee:
Für die Siedlung ist ein flaches Feld, nahe dem ursprünglichen Ortskern, zwischen Siedlungshäusern, landwirtschaftlich genutzten Feldern und Feizeiteinrichtungen vorgesehen. Die hier ursprünglich kultivierte Form einer von Natur und Wegen durchzogenen Feldlandschaft ist durch Siedlungsräume und Infrastruktur weiter entwickelt worden, die jede für sich ihre Eigenständigkeit besitzen. Einzelne markantere Hochpunkte (Kirchturm, ehem. Wasserturm, Dr. Georg Frank-Altenhilfe-Stiftung) bilden eine Abfolge, die sich wie grosse Bäume, markante Weggabelungen oder ferne Hügel über die Felder
hinaus verteilen und orientierend sind.
Der Entwurf der neuen Siedlung ergänzt eines dieser umgewandelten Felder. Er bildet einen eigenständigen Charakter und sucht den Übergang zu den benachbarten Siedlungsfeldern. Seine Idendität erhält er durch die unterschiedlichen Bedürfnisse individueller oder gemeinschaftlicher Lebensformen und der Ausgewogenheit zwischen natürlichen Freiräumen und baulicher Verdichtung. Sowohl die Bauformen als auch die öffentlichen Freiräume ermöglichen eine flexible soziale Nutzung und sind durch eine robuste Struktur getragen. Durch die Durchmischung von höherer Verdichtung und kleinteiligerer Bebauung, öffentlicher Grünflächen und privater Gärten entsteht eine Einheit, die einen schonenden Umgang mit Boden, bezahlbaren Wohnraum und vielfältige Wohnformen anbieten. Es soll ein individueller Ort entstehen, mit klaren Adressen, angemessener Dichte – ein neues Stück Stadtbergen.

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Baufelder / Dichte:
Die Neubauten reagieren auf die an den Rändern des Baufelds unmittelbar angrenzende Bebauung, was vielfältige nutzbare Typologien und unterschiedliche Dichten ergibt.
Zur Leitershofer Strasse puffern kräftige Baukörper den Strassenlärm ab. Diese sind als Blöcke mit Innenhöfen ausgebildet. Auf der Freifläche im Zentrum des Baugebietes befindet sich ein freistehender Baukörper mit Kindertagesbetreuung und Servicewohnen. Im Nord-Osten schliesst ein durchbrochener Block an die bestehende Nachbarbebauung an. Im mittleren Feld bildet ein aufgelöster Block einen kräftigen Rücken zum zentralen Anger und geht nach Osten und Süden zu der niedrigeren Randbebauung mit geneigten Dächern über. Die südliche und süd-östliche Randbebauung schliesst mit zwischengelagerten privaten Gärten an die bestehende Bebauung an.
Die Durchmischung der unterschiedlichen Typologien und Dichten innerhalb einer Siedlung bieten die Möglichkeit, innerhalb eines Quartiers unterschiedliche Wohnungsangebote zu finden. Vor dem Hintergrund des Demografischen Wandel ist die gängige Prognose mehrheitlich kleiner Wohneinheiten anzubieten. Dem setzen wir die Flexibilität/Vielfallt gegenüber, die es ermöglicht, innerhalb eines Quartieres den Wohnraum entsprechend den Lebensabschnitten zu wählen, ohne dabei in einen anderen Stadtteil umziehen zu müssen. So soll für Stadtbergen ein lebendiges, nachhaltiges und zukunftsorientiertes neues Wohnquartiere entstehen.

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Freiräume:
Der Grünzug entlang des Schlaugraben ist der wichtigste Bezugspunkt im Freiraum. So bindet in der Mitte des Quartiers eine Grünfuge direkt an die öffentliche Freifläche an. Über den Anger und durch weiter anschliessende kleinere Grünbereiche entsteht so eine neue Nord- Südverbindung für Fussgänger und Radfahrer, eine wichtige Vernetzung des Quartiers mit seiner Umgebung.
Ein Spektrum verschiedener Freiräume soll für die Lebensqualität im Quartier sorgen. Der Anger, die Straßen, Gassen und Wege sollen in ihrem jeweiligen Charakter und Funktion durch die individuelle Gestaltung unverwechselbar erkennbar sein. Dabei ist uns die Abfolge von Maßstäben und Öffentlichkeit Privatheit von gemeinschaftlichen Bereichen, über den halböffentlichen Blockinnenhof bis hin zum privaten Garten wichtig. Der zentrale Anger liegt im Schnittpunkt verschiedener Bewegungsrichtungen, ist Adresse, Bewegungsraum, bietet Platz für Feste und gemeinschaftliche Aktivitäten. Die halböffentlichen Blockinnenräume sind Spiel- und Aufenthaltsort, Platz für Regenwasserbewirtschaftung der umgebenden Flächen, bieten Raum für gemeinschaftliche Initiativen und sind damit ein erster Identifikationsort für Bewohner und Besucher. Das direkte und indirekte Erleben und Erfahren von Natur und Raum sind Schlüsselqualitäten eines nachhaltigen Stadtquartiers. Der Freiraum als Ganzes soll als Spiel- und Erfahrungsraum angelegt werden.
Das Regenwasser wird im Gebiet dezentral und oberflächig bewirtschaftet. Das notwendige Retentionsvolumen wird dabei auf das gesamte Gebiet integriert bereitgestellt. Diese technischen Funktionen werden als prägende Elemente in der Gestaltung und Atmosphäre des Freiraums sichtbar. Für die Starkregenvorsorge gewährleistet eine entsprechend integrierte Entwässerungstopografie und Rückhaltemöglichkeiten in den Grünbereichen Sicherheit. Die verbindenden Mulden und Rinnen sorgen für ein besseres Kleinklima auch an heißen Tagen, für Lebens- und Gestaltqualität.

Erschliessung:
Von der Leitershofer Strasse kommend verläuft die Haupterschliessung auf den zentralen Anger. Dieser Anger ist nach der Idee eines «shared space» nicht nur
Verkehrsraum sondern auch zentraler Begegnungsort. Hier befinden sich auch Kinderbetreuung und Servicewohnen für ältere Menschen. Daran anschliessend durchläuft eine verkehrsberuhigte Ringstrasse den südlichen Teil des Plangebiets. Die Tiefgaragenzufahrten sind so gelegen, dass der verkehrsberuhigte Ring ausschliesslich von den Anwohnern der östlich und südlich gelegenen Reihen- bzw. Einfamilienhäusern genutzt wird. Notwendige Besucherstellplätze sind in kleinen Gruppen gestalterisch so in das Strassenprofil integriert, dass eine gleichmäßige Verteilung im Quartier entsteht.